Länge 9 km
Dauer 3 h
Anspruch Normal, 330 Hm, Zum Höhenprofil
Sehenswertes Schiebbach, Heimatmuseum Schöna
Aussichten Zirkelstein, Kaiserkrone
Einkehrmöglichkeit Gasthaus Zirkelstein
Anfahrt

S-Bahn bis Bahnhof Schöna

Pkw, Start im Ort Schöna

Formvollendet erhebt sich der Zirkelstein über die Ebene. Vielen gilt er als schönster Tafelberg, auch wenn er bez. seines Umfangs einer der Kleinsten ist. Die drei Zacken der Kaiserkrone, durch Klüfte getrennte Felstürme, erheben sich zwar nur unwesentlich über den Baumwipfeln, ermöglichen von ihren leicht zu erklimmenden Gipfeln dennoch lohnende Aussichten. Eine kleine Runde mit großem Erlebniswert.

Beide Tafelberge in einer Runde zu vereinen, funktioniert am besten in Kombination mit dem Elbtal. Und damit geht es praktisch am Bahnhof Schöna vorüber, sodass die An- und Abreise mit der S-Bahn nicht nur ökologisch opportun, sondern auch noch äußerst komfortabel ist. Die enge Taktfolge der Züge ist für die Planung einer "wartezeitfreien" Rückreise zudem praktisch. Wenn es dann doch der Pkw sein soll, dann finden sie am Ortsausgang von Schöna - einfach der Hauptstraße durch das Dorf folgen - einen größeren Parkplatz. Wir empfehlen die Wanderung dann mit der Erkundung der Kaiserkrone zu beginnen.
 
Es bedarf keiner prophetischen Fähigkeiten, um zu behaupten, dass das Gros der Mitreisenden, die den Zug an der Endstation in Schöna verlassen, zur Fähre laufen werden, um nach Hrensko überzusetzen. Bis hinter die Unterführung fließen sie mit der zähen Masse mit, um sich dann stromaufwärts über den Radweg vom Strom zu lösen und eigene Wege zu gehen. Es sind nur 600m, auf denen sie auf den Radverkehr, der an Schönwetterwochenenden beträchtlich sein kann, achten müssen, dann weist eine Ausschilderung zur "Schiebmühle" nach rechts und sie erreichen durch eine Unterführung ein für den Radverkehr vollkommen ungeeignetes und für den Wanderer ideales Terrain  - zumindest wenn man steile Aufstiege mag.
 
Die Schiebmühle, bzw. das letzte Gebäude, das von ihr übrig ist, ist dem Verfall preisgegeben. Und das, obwohl noch bis 1990 eine Malzfabrik, die aus der einstigen Mahl- und Schneidemühle hervorgegangen war, hier produzierte. Die Fabrikhallen wurden abgerissen, beim Aufstieg entlang des Schiebbachs zeugen eiserne Rohre noch heute von der früheren Wasserzuführung zur Mühle. Das Wasser der Schiebquelle kam übrigens nur zur Hälfte dem Mühlenbetrieb zu gute - der andere Teil diente bis 2006 der Trinkwasserversorgung von Schöna.
 
Der kleine Schiebbach hat hier einen Durchbruch durch die Sandsteinplatte geschaffen. Die beiderseits erkennbaren Wände sind Teil der so genannten Teichsteinbrüche, nach Karl August Engelhardt's Vaterlandskunde für Schule und Haus im Königreiche Sachsen so genannt, "weil die Elbe dort, wo sie Sachsen zuerst berührt, so tief und still geht, daß sie nur ein Teich zu sein scheint". Dieser Steinbrüche waren noch bis in die 1950er Jahre in Betrieb und damit die letzten aktiven Brüche im Elbtal. Zwar existiert unterhalb der Abbrüche kein offizieller Wanderweg, aber auch ohne Fähigkeiten eines Pfadfinders sind die Trittspuren kaum zu verfehlen. Vor allem nach Osten hin lohnt eine Erkundung: Spuren des Abbaus sind noch zahlreich zu entdecken. Bitte beachten sie, dass es sich bei den Steinbrecherhütten zumeist um Privatbesitz handelt.
 
Aber zurück zur Wanderung: Spätestens oberhalb der Sandsteinbrüche flacht das Gelände merklich ab. Mehrere kleinere Staubecken, zumeist mit durchbrochener Mauer, dienten einst der Wasserregulierung des Schiebbaches, ein letztes (bez. der Wanderrichtung), größeres Reservoir ist noch intakt. Unmittelbar oberhalb des Teiches wird ein etwas breiterer Waldweg erreicht. Überqueren sie diesen frontal, sind es nur knapp 300m, bis sie den Waldrand und damit den direkten Zugang zum Zirkelstein erreichen. Falls ihre Motivation noch intakt und die Schiebquelle von Interesse ist, dann laufen sie nach links. Halten sie sich an Abzweigen stets rechts des Baches, bis der Weg letztlich doch nach rechts schwenkt und zum Waldrand leitet. An diesem halten sie sich nach links und unmittelbar vor der Kleingartenanlage "Rodeland" - auf gegenüberliegender Seite befindet sich mit der Waldschänke eine Einkehr - führt links der Grundweg zur Quelle hinab. Ein Gedenkstein erinnert an die Namen der am Bau beteiligten Männer, die die Quelle 1638 erschlossen.
 
Den soeben beschrittenen Weg folgen sie nun zurück zum Waldrand, der Weiterweg, gelb markiert, zum bereits sichtbaren Zirkelstein ist unmöglich zu verfehlen. Der schnellste Zustieg führt über das Areal des ältesten (1914) Naturfreundehauses Sachsens, das Zirkelsteinhaus - 1945 nach "Hans Dankner" benannt, heute mit dem hochtrabenden Namen "Zirkelsteinresort" betitelt.
 
Erst unmittelbar vor den Flanken des Tafelberges geht es merklich bergauf. Eine erste Eisentreppe führt vom Fuß des Felsens zu einem Band, von dessen Ende eine steile Leiter zum Gipfel leitet.
 
Gleich der erste Blick über die Schulter schweift über das böhmische Elbtal hinweg zum ebenmäßigen Vulkankegel des Růžovský vrch (Rosenberg). Im Süden bauen sich die Hänge der Zschirnsteine vor denen des Děčínský Sněžník (Hoher Schneeberg) auf. Im Westen liegt ihnen Schöna zu Füßen. Einzig der Blick nach Norden ist durch den Baumbewuchs eingeschränkt. Schwindelfreiheit vorausgesetzt, fänden sie an der Abbruchkante Kanzeln mit freier Sicht zum Winterbergmassiv - dies bedingt jedoch das Übersteigen des Geländers.
 
Im Abstieg halten sie sich nach der letzten Leiter nach links. Gemäßigt abfallend umrundet der Weg den Zirklstein und mündet in den geschotterten Zubringer zum Zirkelsteinresort, über den sie nach Schöna laufen. Auf der Hauptstraße laufen sie nach rechts, wo sich mit dem Gasthaus Zirkelstein die einzige Einkehrmöglichkeit direkt am Weg befindet. Kurz darauf erreichen sie den Dorfplatz. Falls sie zufällig zu rechten Zeit vor Ort sind, dann ist ein Kurzbesuch des Heimatmuseums eine sogar kostenfreie Bereicherung. Die kleine Gasse, die dort in Richtung Kaiserkrone führt, ist ein kleine Abkürzung zum Malerweg, die sie direkt zur Bahnhofstraße bringt. 150m östlich befindet sich vor dem letzten Grundstück der Zugang zur Kaiserkrone, an deren Fuß sie zu Beginn den Felsen passieren, den Caspar David Friedrich im Gemälde “Der Wanderer über dem Nebelmeer” mit Gamrig (bei Rathen), Zirkelstein und Rosenberg kombinierte. 
 
Die Kaiserkrone, eher eine Anhäufung magerer, der fortschreitenden Erosion geschuldeter Felsfragmente als ein wirklicher Tafelberg, bietet gleich mehrere, leicht zu erreichende Aussichten, wobei die Ansichten von Zirkelstein und Schrammsteinkette wohl die imposantesten Blickfänge sind.
 
Die Ähnlichkeit der Felszacken auf dem Tafelberg führten letztlich zum heute gebräuchlichen Namen Kaiserkrone. Wohl nur wenigen Einheimischen ist noch die ursprüngliche Bezeichnung Galsche (bzw. Galitzstein auf der ersten Karte aus dem 16. Jahrhundert) geläufig, die dem slawischen entlehnt ist und für einen "Kahlen Stein" steht, eine passende Umschreibung für den Tafelberg, dessen Felsfläche und Fußhalde, so zeugen historische Aufnahmen, weitesgehend unbewaldet war. Königskrone und Zahnstein sind Benennungen, denen im 19. Jahrhundert nur eine kurze Zeitspanne beschieden war. Letztere geht mit einer Sage einher, nach der die Kaiserkrone Rübezahls Weisheitszahn sein soll, der ihm beim Zusammenprall mit dem Großen Zschirnstein abhanden gekommen war.
 
Zurück auf der Bahnhofsstraße bieten sich zwei Alternativen an. Entweder folgen sie strikt dieser Straße gen Osten, die direkt, der Name lässt es vermuten, zum Bahnhof Schöna führt (ca. 25 Minuten) oder sie wählen den Malerweg, der nach etwa 250m die Bahnhofsstraße linkerhand verlässt und sie über den Aschersteig ins Elbtal bringt. Links sind es über den Radweg nur noch 250 m bis zum Haltepunkt Schmilka-Hirschmühle (35 Minuten, unsere Empfehlung), rechts leitet der Elberadweg zum Bahnhof Schöna (50 Minuten).
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