Länge 16 km
Dauer 4-5 h
Anspruch Anspruchsvoll, 440 Hm, Zum Höhenprofil
Sehenswertes Pavlínino údolí (Paulinental), Na Tokáni (Balzhütte) u.v.m.
Aussichten Křížový vrch (Kreuzberg), Rudolfův kámen (Rudolfstein), Vilemínina stěna (Wilhelminenwand), Mariina skála (Marienfels)
Einkehrmöglichkeit Rynartice (mehrere), Na Tokáni(mehrere), Jetřichovice (mehrere)
Anfahrt Pkw

Ein unter Naturschutz stehendes Flusstal, das von den Touristenströmen verschont ist. Ein ehemaliges Jagdschloss, das die Besucherscharen anzieht. Und gleich mehrere imposante Aussichten, wo Einsamkeit kaum, Begeisterung jedoch umso mehr zu erwarten ist. Unsere Wanderempfehlung durch die "hintere" böhmische Schweiz lässt kaum Wünsche offen, zumal die Option zur Halbierung der Strecke besteht...

Falls sie nicht das Abenteuer "öffentlicher" Nahverkehr wählen, um den Start zu erreichen, werden sie einen Parkplatz für ihr Fahrzeug benötigen. Die Sterne stehen günstig, dass sie einen solchen auf der großen kostenfreien Abstellfläche unterhalb der Kirche von Jetřichovice finden werden. Die kurze Zufahrt ist im Ortszentrum von Jetřichovice, sofern man die Talweitung als solches bezeichnen mag, ausgeschildert.

Es geht kurz bergab zurück auf die Talstraße und wenige Schritte nach Osten, bis rechterhand die Straße nach Srbská Kamenice aus dem Tal hinaus führt. Die Straße ließe sich hier zwar meiden, aber das zu erwartende Verkehrsaufkommen ist so gering, dass sie die wenigen Meter am Straßenrand in Kauf nehmen sollten. Falls nicht, dann halten sie sich unmittelbar nach dem Abzweig wiederum rechts zum Hotel Bellevue und von dort zurück zur Straße.

Nach der langgezogenen Rechtskurve setzt links der Straße ein Wanderweg ein, der die nächste Serpentine abschneidet. Nach dem Anstieg touchieren sie nochmals die Straße, dann folgen sie der Ausschilderung (rote Markierung) halb links, vorüber an etlichen Wochenendhäusern, ins Paulinental.

Mit Passieren des Grieselův rybník verlassen sie die letzte Ansiedlung und treten ein in das 1993 zum Naturschutzgebiet erklärte Tal.

Auf die Existenz einer Mühle (Grieselův mlýn, Grieselmühle) deutet der Mühlgraben hin, der zunächst den Wanderweg flankiert und teilweise durch den Fels getrieben wurde. In den Wintermonaten, nach längeren Forstperioden, bilden sich an den Hängen imposante Eisgebilde. Die Eindrucksvollsten befinden sicherlich am großen Überhang der Rusalčina jeskyně (Najadenhöhle).

Auf weite Strecken geht es eben im Tal entlang. Dass das Gelände kontinuierlich steigt, ist kaum zu spüren. Nur nach ca. 1.5 km im Talgrund versperren Felsen die direkte Linie und zwingen zu einem kurzen Anstieg. Der teils in den Fels gehauene Weg, eine Leistung des Gebirgsvereines für die Böhmische Schweiz aus dem Jahre 1864, ist mittels Geländer versichert. Nach kurzer Strecke geht es wieder hinab zum Uferbereich und eben bis zur Einmündung des Studený potok dahin.

Eine eiserne Brücke leitet über den Fluss und der nun blau markierte Weg windet sich linkerhand aus dem Tal heraus. Am Felsriegel, der den Anstieg begleitet, findet sich eine  Zeichung, wie sie häufig in der Gegend anzutreffen sind. Sobald sie den Anstieg hinter sich haben, erreichen sie freies Feld. In der folgenden Senke erreichen sie die ersten Häuser von Rynartice (Rennersdorf) und alsbald die Hauptstraße.

Genug gewandert? Hier wäre die erste Ausstiegsmöglichkeit. Die wenig befahrene Straße führt nach links in ca. 2 km direkt zum Start zurück. Als Bonus lohnt nach 300m auf der rechten Seite der ultrakurze Ausflug zur Trpasličí jeskyně (Zwergenhöhle). Genau genommen handelt es sich um eine Felsgasse, in der der Einheimische Eduard Vater 1870 begann, Zwerge aus dem Fels zu meißeln. Sein Sohn vollendete später das Werk, sodass Schneewittchen und die sieben Zwerge heute dort beheimatet sind. Falls sie sich unterfordert fühlen, spricht natürlich nichts dagegen, die Gasse in die "normale" Planung zu integrieren.

Die Hauptstraße geht es 300m nach rechts bergan. Der nächsten Seitenstraße nach der kleinen (ehemaligen) Kirche folgen sie nach links, vom Verlauf des blau markierten Wanderwegs wird kurzzeitig abgewichen, umrunden das Hotel Zámeček (Einkehrmöglichkeit) rechterhand und über einen kurzen Betonplattenweg, zuletzt ansteigender Pfad, ist mit dem Křížový vrch (Kreuzberg) ein Berg erreicht, dessen Unscheinbarkeit eine ähnliche Größenordnungen hat wie die Großartigkeit der Aussicht, die er trägt.

Der offizielle Wanderweg liegt nun etwa 200m östlich ihres Standorts. Sie könnten jetzt bis zur Hauptstraße und damit zur blauen Markierung zurück laufen oder, zumindest empfehlen wir das bei trockenen Bedingungen, sie halten ausgehend vom Gipfelkreuz genau auf die gegenüberliegende Seite des bewaldeten Hügels zu - ob rechts oder links herum ist unerheblich - und wählen die kürzeste Linie hinab zum Waldrand. Dort treffen sie auf einen breiteren Pfad, der sie nach rechts zurück zum Wanderweg bringt.

Die Weg führt nun komplett durch den Wald. Schubweise sind zu Beginn kürzere dafür umso intensivere Anstiege zu bewältigen, dann folgt welliges Terrain.

Nach etwa 3 Kilometern, kurz nachdem von links der gelb markierte Wanderweg einmündet, geht es rechts durch eine Senke weiter. Unmittelbar nach/während Regenperioden könnte die Forststraße die bessere Option sein, sie schlägt einen nur unwesentlichen weiteren Bogen und trifft bald erneut auf den Wanderweg. Von Na Tokani trennt sie nur noch eine seichte Anhöhe. 

Falls die erste Einkehr überfüllt ist, haben sie etwa 100m weiter eine nochmalige Chance (ob/wann das Restaurant im mittleren Gebäude die Pforten öffnen wird, ist unbekannt). Da der Rückweg (ohne Rudolfův kámen) für Eilige in einer knappen Stunde absolviert werden kann, können sie die Dauer des Aufenthalts gut kalkulieren (um vor Einbruch der Dunkelheit zum Ende zu gelangen).

Sie laufen nun zum Abzweig der blauen Markierung zurück, folgen jedoch der Forststraße mit der gelben Markierung, die dezent ansteigt, eine lange Linkskurve beschreibt und zu einer Wanderhütte führt.

Bei weiterhin existender Motivation - und vor allem bei guten Sichtverhältnissen - ist der Besuch des 600 m entfernten Rudolfsteins (Rudolfův kámen) sehr zu empfehlen. Kondition ist nur für den Anstieg über Leitern auf den letzten Metern gefragt. Vom Gipfel hebt sich im Norden deutlich der Wespenberg (Vosí vrch) ab, im Nordwesten sticht der Raumberg hervor und gen Süden dominiert der markante Vulkankegel des Rosenbergs (Růžovský vrch), der unmittelbar hinter dem breiten Aufbau des Gohlischt (Kolište) hervorlugt. Den Weg, den sie gekommen sind, laufen sie zur Wanderhütte zurück.

Aus Richtung Na Tokani kommend biegen sie an der Hütte nach links in den mit rotem Strich markierten Wanderweg ein. Moderat steigt der Pfad noch ein wenig an, bevor der Abstieg in eine tiefe Senke zum (fast) letzten Anstieg leitet. Eine aus dem Sandstein gemeißelte Treppe erleichtert die steilste Passage, dann wird auch schon der Abzweig zur Wilhelminenwand (Vilemínina stěna) erreicht. Weniger als 200m beansprucht diese kurze Episode...

Weiterer spürbarer Höhenverlust endet an Balzers Lager (Balzerovo lezeni), einem Felsüberhang mit einer Inschrift eines Zitats von Johann Wolfgang von Goethe, dessen Name auf die Beizjagden (zur Zeiten der Balz) zurückzuführen ist.

Eine weiterer Taleinschnitt ist zu umlaufen, dann eröffnet sich nach der nächsten Biegung der Anstieg zum Marienfels (Mariina skála). Die alte Hütte auf der nach Fürstin Marie Kinsky benannten Spitze war 2006 durch ein Lagerfeuer in der Hütte selbst (!) vollständig vernichtet worden. Ein weiterer Waldbrand 2007 in unmittelbarer Umgebung verschonte die erst wenige Woche zuvor wieder erreichtete Bleibe.

Der Wanderweg zieht nur strikt talwärts und trifft am 1927 errichteten Kinderferienheim, das seit Jahren verlassen und dem Verfall preisgegeben ist, auf eine breite Forststraße. Links sind bereits die ersten Umgebindehäuse von Jetřichovice zu sehen. An diesen (Einkehrmöglichkeit) vorüber ist die Talstraße schnell erreicht. Rechts ist die Distanz bis zum Ausgangspunkt nur noch reine Formsache...

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